9. Donau-Rieser Heimatpreis

DRHP - Raiffeisen-Volksbank Ries eG // 9. Donau-Rieser Heimatpreis Auszeichnen, was Heimat attraktiv macht Unter der Schirmherrschaft von Landrat Stefan Rößle schreiben die Volks- und Raiffeisenbanken den 9. Donau-Rieser Heimatpreis aus. Auch Ihre Familienbeauftragte, SIna Scheiblhofer, ist Teil de …mehr

Neu Zugezogene im Blick

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Neu Zugezogene im Blick

Mertingen und Buchdorf befassten sich mit Willkommenskultur - Landkreis und VHS Donauwörth bieten die passende Plattform

Der Umzug in eine neue Heimat hält für Familien zahlreiche Herausforderungen bereit: Neue Menschen, unbekannte Umgebung, eine fremde Kultur. Davon betroffen sind Zuwanderer aus dem Ausland, Flüchtlinge, Spätaussiedler - aber auch Menschen, die innerhalb Deutschlands in eine andere Gemeinde umziehen. Die Gemeinden Buchdorf und Mertingen befassten sich vor kurzem damit, wie eine Willkommenskultur für neu Zugezogene aussehen kann.

Organisiert hatten das Treffen die Volkshochschule Donauwörth (VHS) und der Landkreis Donau-Ries. „Mit einer guten und gelebten Willkommenskultur können Unternehmen und Kommunen ihre Attraktivität steigern und ihre Zukunftsfähigkeit sichern", skizzierten Gudrun Reißer und Günter Katheder-Göllner die Intention der Veranstaltung, die unter dem Dach des Donau-Rieser Bündnis für Familie stattfand. Die VHS-Leiterin und der Familienbeauftragte des Landkreises waren sichtlich erfreut, dass sich eine ganze Reihe von Interessierten aus Buchdorf und Mertingen auf den Weg in die große Kreisstadt gemacht hatte.

 

Nach der Begrüßung durch die VHS-Geschäftsführerin Gudrun Reißer erläuterte der Familienbeauftragte Katheder-Göllner, warum es sich für Städte und Gemeinden lohne, das Thema Willkommenskultur anzupacken. „Der Kampf um die Einwohner ist eröffnet", zitierte er eine Überschrift aus dem Schwarzwälder Boten. Hohe Mobilität kennzeichne unser Leben heute. Damit Einwohner bleiben und aus anderen Regionen zuziehen, müsse eine Kommune attraktiv und familienfreundlich sein. Es reiche aber nicht, die Menschen nur anzulocken. Städte und Gemeinden müssten dafür sorgen, dass sich neu Zugezogene willkommen fühlen und möglichst dauerhaft bleiben.

 

Seine Thesen untermauerte Katheder-Göllner mit anschaulichem Zahlenmaterial. Bass erstaunt waren die Teilnehmerinnen beispielsweise als sie hörten, dass im Jahr 2012 etwa 5.000 Menschen neu in den Landkreis Donau-Ries gekommen sind. „In Mertingen gibt es jährlich etwa 250 neu Zugezogene, in Buchdorf sind es zwischen 50 und 100", verdeutlichte der Referent den Handlungsbedarf in den beiden Kommunen.

 

Warum „Interkulturelle Kompetenz" und Willkommenskultur zusammen gehörten, das erläuterte Gudrun Reißer: „Interkulturelle Kompetenz ist die Fähigkeit, mit Menschen anderer Kulturen erfolgreich und angemessen zu kommunizieren und zu interagieren". Kulturelle Unterschiede würden nicht nur in Geschäftsbeziehungen zu Missverständnissen beitragen. Auch im alltäglichen Leben, in Behörden, Schule und im Kindergarten schlummerten beachtliche Konfliktpotentiale, wenn wir die Kultur unseres Gegenübers nicht kennen und verstehen. Wenn Willkommenskultur also gelingen soll, dann führe an interkultureller Kompetenz kein Weg vorbei. „Und die kann man lernen, beispielsweise in einem entsprechenden Seminar der VHS", nannte Reißer gleich als Beispiel dafür, wie Kommunen ihre Willkommenskultur verbessern könnten.

 

Mit weiteren konkreten Ideen, wie eine Willkommenskultur mit Leben gefüllt werden kann, leitete Günter Katheder-Göllner dann zum wichtigsten Teil dieses Abends über. „Jetzt sind Sie dran!", forderte er die Buchdorfer und Mertinger zum Diskutieren auf. Aber bei Worten sollte es nicht bleiben, alle Ideen und Beiträge wurden auf Kärtchen festgehalten. Neubürgerempfang, Willkommenspaket, Infobroschüre - die Ideen sprudelten und die Frage des Moderators, „Wollen Sie dran bleiben am Thema?" war dann auch eine rhetorische. Im Nu hatte jede der beiden Gemeinden für sich eine ganze Palette von Lösungen und Projektvorschlägen gesammelt, die dann vor Ort weiterverfolgt werden sollen.

 

„Ich glaube, das tut nicht nur den neu Zugezogenen, sondern allen Familien gut, wenn wir in Sachen Willkommenskultur am Ball bleiben", nahmen Bürgermeister Georg Vellinger und die Familienreferentin Ursula Kneißl-Eder als Überzeugung mit auf den Nachhauseweg nach Buchdorf. Dort wird die Willkommenskultur also weiterentwickelt. Und auch die Mertinger Familienreferentin Christine Riepold zeigte sich überzeugt, dass in Ihrer Kommune zukünftig die neu Zugezogenen stärker ins Blickfeld rücken werden. „Morgen werde ich Bürgermeister Albert Lohner unsere Ergebnisse vorstellen", meinte sie. „Und ich bin sicher, dann werden wir überlegen, welche der vielen guten Ideen wir als Erstes anpacken werden."

 

„Eine gelungene Sache!", waren sich die Organisatoren einig. „Und so wie Sie heute den ersten Schritt getan haben, könnten das zukünftig auch andere Städte und Gemeinden tun", warfen Gudrun Reißer und Günter Katheder-Göllner zu Schluss noch einen Blick in die Zukunft. Zu wünschen wäre es. Denn eine landkreisweite Atmosphäre der Offenheit, der Freundlichkeit und gegenseitigen Respekts - eine gelebte Willkommenskultur also - sorge für mehr Lebensqualität für alle.

 


Hintergrund:

In Deutschland fand der Begriff Willkommenskultur in erster Linie im Zusammenhang mit der Feststellung, dass ein bedeutender Mangel an Fachkräften droht, Einzug in die politischen Debatten. Deutschland ist ein demografisch alterndes Land, weshalb die Bevölkerung ohne eine ausreichende Zuwanderung aus dem Ausland schrumpfen wird.

 

Für Unternehmen und Kommunen ist Willkommenskultur aber auch vor dem Hintergrund der Binnenwanderung innerhalb Deutschlands ein wichtiges Thema. Städte und Gemeinden müssen dafür sorgen, dass sich neu Zugezogene willkommen fühlen und möglichst dauerhaft bleiben.

 

Ende 2012 stellte eine Studie der Bertelsmann Stiftung der Willkommenskultur in Deutschland noch ein schlechtes Zeugnis aus. Statt einer kulturellen Offenheit dominiert vielmehr ein "skeptischer Realismus" in der Bevölkerung. Dabei ist Deutschland einer OECD Studie aus 2014 nach den USA erstmals das zweitbeliebteste Einwanderungsland aller westlichen Industrienationen.

 

In der Frage, ob Einwanderung nutzt oder schadet, ist Deutschland nach wie vor gespalten: Zwar sehen viele Menschen Vorteile für die Ansiedlung internationaler Firmen (68 Prozent), für ein interessanteres Leben in Deutschland (67 Prozent) oder die demografische Entwicklung (60 Prozent) - aber die Mehrheit der Befragten fürchtet durch Zuwanderung auch Probleme in Schulen (61 Prozent), eine Belastung des Sozialstaats (64 Prozent) und soziale Spannungen zwischen Einwanderern und Einheimischen (63 Prozent). Untersuchung des Institut TNS Emnid im Januar 2015.

 

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