Veranstaltung "Familienfreundliche Personalpolitik lohnt sich wirklich"

Finanzen

Qualifizierte Mitarbeiter zu finden und an den Betrieb zu binden, ist für viele Unternehmen von wachsender Bedeutung. Zahlreiche Studien haben bewiesen, dass Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie dabei immer wichtiger werden.

  • Doch worin bestehen solche Angebote konkret

  • und was sollten Unternehmen tun, wenn sie sich als familienbewusste Arbeitgeber positionieren wollen?

Das Lokale Bündnis für Familie Donau-Ries will die Unternehmen in unserer Region auf ihrem Weg zu mehr Familienfreundlichkeit unterstützen und lud dazu am 11. Mai 2010 zu einer Infoveranstaltung in das Technologie Centrum Westbayern in Nördlingen. „Familienfreundliche Personalpolitik - es lohnt sich wirklich!" lautet der Titel.

Gute Beispiele aus der Region

Um die Familienfreundlichkeit eines Unternehmens weiterzuentwickeln und hierzu erfolgreiche Maßnahmen auf den Weg zu bringen, muss das Rad nicht immer wieder neu erfunden werden. Es gibt eine Reihe bewährter Instrumente und guter Praxisbeispiele auch aus unserem Landkreis. „Ich freue mich, dass wir regionale Unternehmen gewinnen konnten, die uns von ihren familienfreundlichen Aktivitäten berichten werden" meinte dazu Landrat Stefan Rößle.

Sehr angetan zeigt sich der Landkreischef auch von den zahlreichen Partnern, die hinter dieser Veranstaltung stehen. Dazu gehören die Agentur für Arbeit Donau-Ries, die Handwerkskammer für Schwaben, die IHK Schwaben und das Technologie Centrum Westbayern.

Franz Leinfelder, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries (Wemding), ging in seinem Grußwort davon aus, durch eine familienfreundliche Unternehmenskultur dem Fachkräftemangel in der Region entgegen wirken zu können. „Eine entsprechende Personalpolitik in den Firmen ist zudem ein wichtiger Schlüssel dafür, das Arbeitskraftpotenzial in Nordschwaben zu halten".

Neben der Präsentation guter Praxis - vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum mittelständischen Handelsunternehmen - wurde auch das Förderprojekt „effizient familienbewusst führen" (eff) vorgestellt. Es bietet Beratung und Unterstützung für Unternehmen bei der praktischen Umsetzung familienbewusster Maßnahmen.

  • Unternehmensberaterin Angela Fauth-Herkner aus München wies vor allem den Führungskräften eine entscheidende Verantwortung zu. Um für den Arbeitnehmer zum „idealen Arbeitgeber" zu werden, spiele die Vereinbarkeit von Privat- und Arbeitsleben nämlich eine entscheidende Rolle. In vielen Betrieben habe sich noch kein wirkliches Bewusstsein für die Bedeutung dieses Themas entwickelt. Um hier voranzukommen, gebe es das staatliche geförderte Projekt „eff" (effizient familienbewusst führen). Fauth-Herkner rief die anwesenden Unternehmensvertreter auf, dieses Angebot in Anspruch zu nehmen.
  • Dass auch im Landkreis Donau-Ries in manchen Unternehmen das Bewusstsein dafür Einzug gehalten hat, machten drei Beispiele deutlich. Eckhard Seiler von der Harburger Firma Bad + Wärme Seiler wies auf flexible Arbeitszeitmodelle in seinem Kleinbetrieb hin. So könne eine Mitarbeiterin ihre Kinder mit zur Arbeit bringen; eine weitere Angestellte suche sich innerhalb eines festen Stundenrahmens die Tage aus, an denen sie arbeiten will.
  • Werner Heinrich sprach von 33 verschiedene Teilzeitmöglichkeiten bei der AOK, die zu mehr Familienfreundlichkeit beitragen würden.
  • Auf die Inanspruchnahme von Elternzeit für Mütter und Väter sowie diverse Schicht- und Teilzeitmodelle in ihrem Unternehmen machten Geschäftsführer Leo van Bree von Eisen-Fischer und Personalleiterin Carmen Havlin aufmerksam. Getragen werden müsse dies alles jedoch von der gesamten Belegschaft.

Genügend Raum war darüberhinaus eingeplant für Fragen, für Gespräche und für einen intensiven Erfahrungsaustausch mit den anwesenden Akteuren und Kooperationspartnern.

Eingebettet war die Veranstaltung in die bundesweite Aktionswoche der Initiative „Lokale Bündnisse für Familie". Unter dem Motto „Wir gewinnen mit Familie" steht in diesem Jahr an über 300 Orten in Deutschland der Standortfaktor Familienfreundlichkeit im Mittelpunkt. „Denn von Familienfreundlichkeit profitieren auch Städte, Gemeinden, Regionen und Unternehmen.

Sie werden dadurch für Fachkräfte attraktiver." erläutert der Familienbeauftragte des Landkreises Günter Katheder-Göllner. „Das ist für sie gerade angesichts des demografischen Wandels wichtig, durch den es weniger Fachkräfte geben wird."

Familienfreundlichkeit gewinnt an Bedeutung

Familienfreundlichkeit gewinnt trotz der Wirtschaftskrise an Bedeutung. Das belegt der Unternehmensmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Bundesfamilienministeriums: Fast 80 Prozent der Unternehmen gaben 2009 bei einer repräsentativen Befragung an, dass Familienfreundlichkeit für das eigene Wohlergehen wichtig oder eher wichtig ist. 2006 waren es 72 Prozent der Unternehmen, 2003 lediglich 46 Prozent. Darüber hinaus erwartet fast jedes fünfte Unternehmen, dass Familienfreundlichkeit in den kommenden fünf Jahren an Bedeutung gewinnt. Lediglich acht Prozent gaben an, dass der Stellenwert von  Familienfreundlichkeit sinken wird.